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Künstlerportrait Sigrid Braun-Umbach

Künstlerportrait
Sigrid Braun-Umbach

Zur Person:

Drei Aspekte, die dich definieren:
Empathie, Organisationstalent, Sammelleidenschaft (Kunst, Bücher, Pflanzen, Steine…)

Ich arbeite gerade an:
Seit einigen Tagen habe ich die Arbeit an meinem neuen Katalog MAGIE DES LICHTS mit Arbeiten aus den letzten 15 Jahren abgeschlossen. Aktuell arbeite ich an einer Serie von Schwarz-Weiß-Bildern und bereite eine nächste Ausstellung vor. Ein literarisches Fragment wartet auch noch auf letzte Korrekturen und dann muss ein Verlag gefunden werden. ­­
Mich beschäftigt gerade das Thema:
Wie finde ich künstlerisch wieder zurück ins mehr abstrakte Arbeiten? Die elementaren Naturgewalten, die mich seit 25 Jahren in meiner zweiten Heimat auf Lanzarote überwältigt haben bewirkten, dass ich von meiner vorher fast ausschließlich abstrakten Malweise immer mehr ins Figurative geglitten bin. Augenblicklich arbeite ich mittels unterschiedlicher Techniken (z.B. Monotypie) daran, neue Ausdrucksformen für meine Inhalte zu finden… ­­­­
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Monotypie Serie Meermeditation (1)
Gibt es ein Buch, ein Gedicht, ein Lied, ein Bild, die dich geprägt haben?
Seit Kindertagen immer wieder: Theodor Storms MEERESSTRAND! Klassische Musik – Stücke, in denen musikalisch Bilder gemalt sind: Beethovens 6. Symphonie (Pastorale), Mendelssohn-Bartholdy – Die Hebriden… In der Malerei das Himmelslicht von William Turner und Thomas Gainsborough, später das Licht in den Bildern meines Lehrers Jobst Günther, die Transparenz in den Arbeiten von Peter Andreas Mothes… ­­
Abendmeer
Zur Kunst
Wann und wie hast du die Kunst für dich entdeckt?
Familiär vorgeprägt, umgeben von künstlerisch begabter Verwandtschaft, war Malen und Zeichnen immer Bestandteil des Alltags. Mein erstes „veröffentlichtes“ Werk war eine Federzeichnung von Bimmelbolles Milchwagen zum 100. Geburtstag der benachbarten Moabiter Meierei Bolle 1956 oder 57. Das offizielle Plakat war ein Frühwerk (Auftragsarbeit) von Günter Grass, auf Betreiben meiner Klassenlehrerin durfte ich die „Kinderversion“ zeichnen, die im Zuge der Jubiläumsfeierlichkeiten ebenfalls veröffentlicht wurde. Leider war es aber auch familiäre Tradition, dass Kunst in den Bereich Freizeit gehörte. Für ein Kunststudium bekam ich damals keine Unterstützung, sondern wurde gedrängt, einen „vernünftigen Brotberuf“ zu erlernen. So lernte ich, wie auch meine ebenfalls nur in der Freizeit künstlerisch tätigen Tanten, den Beruf der Technischen Zeichnerin – was mir nie wirklich leid getan hat, denn ich erwarb damit viel handwerkliches Knowhow… 

Welchen Stellenwert hat die Kunst in Deinem Leben?
Es geht nichts ohne Kunst! Außer meiner eigenen Malerei sammele ich Werke interessanter Künstler*innen der Gegenwart, wir betreiben in unserem Haus seit 10 Jahren die TREPPENHAUSGALERIE. Im Alltag verwandeln sich viele optische Eindrücke mental direkt in ein „virtuelles“ Kunstwerk… 

Beginnst du deine Arbeiten mit einer Idee? Oder entsteht die Idee im Prozess?
Die Idee, das Motiv, die Stimmung, das Licht – das muss vor Arbeitsbeginn vorhanden sein, stimmig, tausendmal durchdacht, oft in schlaflosen Nachtstunden. Manchmal fliegt die Grundidee mir zu und ich kann sie sofort umsetzen, meistens muss ich viele Tage und Nächte suchen, bis sich aus den Bruchstücken ein Gesamtbild ergibt. Im Malprozess ergeben sich mitunter häufig neue, weiterführende Ideen, dann gibt es eine Serie, bisweilen sogar ein jahrelanges Projekt. Meine Ausstellung BaumWesen 2018 mit den 54 präsentierten Bildern zeigt das Ergebnis eines 7-jährigen Arbeitsprozesses.  ­­­­
Vormittagslicht
Worum geht es dir in deiner Kunst? 
Wesentlicher Inhalt ist eigentlich immer das Licht, die Transparenz, das Leuchten von Himmel und Wasser, lichtdurchfluteter Dunst, Wolken und Nebel und die Klarheit der Landschaft, die Strukturen z.B. im Stein, die ohne das Licht nicht sichtbar wären, das Flirren der Blätter in den Bäumen, das Spiel von Licht und Schatten und die nächtlichen Reflektionen von Mondlicht und Sternen auf der Landschaft und über dem Meer.
Mein Anspruch ist, den Betrachtern meiner Arbeiten Anstoß zu geben, genauer in die Welt zu schauen, Natur neu, anders, wahrzunehmen und wertzuschätzen. Im Idealfall zum Bewahren beizutragen.

Was soll ein Kunstwerk haben, um dich anzusprechen?
Ein Kunstwerk, gleichgültig welcher Art, muss mich berühren, mir  Fragen stellen, ein Geheimnis bergen, mich neugierig machen, Impulse geben, mich motivieren, genauer hinzuschauen, hinzuhören, vielleicht das dargestellte „Objekt“ inhaltlich neu zu betrachten, mir Assoziationsketten aufzeigen…
Krater
Warum bist du Mitglied im K.R.S.?
Im Sommer 2015 traf ich in der Achim-Freyer-Stiftung, wo ich Flyer für unsere TREPPENHAUSGALERIE auslegen wollte, Stephani Bahlecke, die Gründerin des KUNST.RAUM.STEGLITZ. e.V. Wir waren neugierig aufeinander, auf unsere künstlerischen Aktivitäten. Der Gedanke eines fakultätsübergreifenden Zusammenschlusses von Künstler*innen, Kunstliebhabern und Kunstförderern in einem gemeinnützigen Verein auf lokaler Ebene sprach mich an. Der Austausch mit Kolleg*innen (sogar in der Nachbarschaft!), gemeinsame Projekte, gegenseitige Unterstützung statt Konkurrenz – das war ein Konzept, mit dem ich mich sehr schnell verbinden konnte. Die Erfahrungen der letzten Jahre in unserem Kunstverein haben mein Leben ungeheuer bereichert.   

Mit welchem Schwerpunkt engagierst du dich im K.R.S.?
Von 2016 bis 2019 war ich in der AG Bildende Kunst tätig, von März 2018 bis Februar 2020 stellvertretendes Vorstandsmitglied. Aus verschiedenen Gründen habe ich mich entschlossen, meine Schwerpunkte wieder mehr in meine eigene künstlerische Arbeit zu legen und reduziere die K.R.S.-Arbeit auf die Redaktion des monatlichen Newsletters, den ich seit Frühjahr 2018 gemeinsam mit Dieter Strothmann betreue.