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Bilder: C- Pöttker

Gedicht: Jenny Schon

In memoriam Franz Kafka

(* 3. Juli 1883 in Prag; † 3. Juni 1924 in Kierling, Österreich)

Was soll mir Kafka

Die welt

ist schlimmer noch

als in Samsas zimmer

sie wird nicht mehr gekehrt

die käfer sind eingekehrt

in sich auf der seite

liegen sie verkehrt

nach der traumreise

ins eis

was will ich von Kafka

ich friere

nach jedem behördengang

dort kennt keiner

Kafka was woll’n Sie

von ihm

ich war bei seinem grab

die rose ist zerstäubt

die Ingeborg ihm brachte

Prag im Jänner 1964

was erhoffte sie von ihm

in Berlin kuschelte

er mit Dora sie brieten

spiegeleier auf haushaltskerzen

es war kalt in Berlin

auch ich friere hier

was soll ich Dora

bedauern wenn die welt

ihn lagert in

bücherregalen verstaubt

wirklich

was soll er mir

in dieser welt

die untergegangen ist

auch meine lebensversicherung

versichert

kein ewiges leben

Anmerkung: Den letzten Winter seines Lebens 1923/1924 verbrachte Kafka mit seiner letzten Geliebten Dora Diamant in Steglitz, dort war die Luft noch einigermaßen gut. Sie waren so arm, dass sie sich keinen Ofen leisten konnten, also brieten sie ihre Spiegeleier auf Haushaltkerzen.

Von Berlin aus fuhr Kafka nach Österreich in ein Sanatorium, wo er am 3. Juni 1924 an Tuberkulose starb.

Das Gedicht bekam den 2. Lyrikpreis der Künstlergilde 2015

Jenny Schon