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Bilder:  Stephani Bahlecke

Gedicht: Jenny Schon

Lorelei

für Rose Ausländer

(* 11. Mai 1901 in Czernowitz; † 3. Januar 1988 in Düsseldorf)i

ich weiß

was es bedeutet

gelockt zu werden

in den Herbstwald

über dem Rhein

die Pilze verführen

mit ihrem Erdduft

wurzeln in den

Waldfried meiner

Mutter die gerne

Rheinländerin geworden

Ich kenne das Lied

der Sehnsucht

nach Ferne

dem Geliebten

Übers Meer lockte

mich der Gesang

der Sirenen

lag ich in

Odysseus Armen

am Stamm des

Olivenbaums

Geblieben ist

der Gesang von

einem Leben

das keine Heimat

kannte kein

Halten kein

Vertrauen

in ein Lied

das zu viel

versprach

Bleiben…

i Lorelei
1982

Unter dem Rhein
singt die Lorelei

Fische
verschweigen das Lied

Ein hellhöriger Angler
fängt es heraus
schenkt es

uns allen

Rose Ausländer

Die Lorelei besungen haben neben Rose Ausländer, als erster Clemens von Brentano,

am berühmtesten von Heinrich Heine, Joseph von Eichendorff, Arno Holz, Erich Kästner, Ulla Hahn, Peter Rühmkorf und der Niederländer Cornelis (Kees) Buddingh.

Meine Mutter (* 1922 in Böhmen) liegt seit 2015 in der Nähe der Loreley begraben. Am Anfang war ich traurig, weil mein Bruder eigenmächtig gehandelt hatte. Jetzt weiß ich aber, daß das Schicksal ihn führte, und es gut ist. Er weiß aber gar nichts von dieser Bedeutung, er ist illiterat!
Schon zweimal bin ich seither mit der Eisenbahn vorbeigefahren! Auch das war ein schicksalsgeführter Weg, denn in Stgt. hatte der direkt nach Berlin führende Zug Probleme, so nahm ich den über den Rhein, beim 2. Mal fuhr ich bewußt, weil es die schönste deutsche Bahnstrecke ist und ich meiner Mutter zuwinken konnte.